aluplattenzuschnitt.de Wissen Chemische Beständigkeit von Aluplatten

Chemische Beständigkeit von Aluplatten

Aluminium in chemisch beanspruchten Umgebungen

Aluminium ist aus modernen industriellen Anwendungen nicht mehr wegzudenken. In Bereichen wie der chemischen Industrie, im Apparatebau oder in der Lebensmittelverarbeitung stellt sich jedoch die Frage: Wie beständig ist Aluminium gegen chemische Einflüsse?

Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: der Legierung, der Oberflächenbehandlung, der Konzentration und Temperatur der Chemikalie sowie der Expositionsdauer. Dieser Beitrag gibt eine fundierte Orientierung für alle, die Aluplatten in chemisch kritischen Umgebungen einsetzen wollen.

Einflussfaktoren auf die chemische Beständigkeit

Legierung und Werkstoffgruppe

Nicht jede Aluminiumlegierung verhält sich gleich. So ist beispielsweise EN AW 5754 relativ gut beständig gegen viele Medien wie Wasser, schwache Säuren und verdünnte Laugen. EN AW 1050A, als nahezu reines Aluminium, zeigt eine gute Beständigkeit gegen Oxidation, ist jedoch weniger stabil bei aggressiveren Medien. Hochlegierte Varianten mit Kupferanteil (z. B. EN AW 2011) sind anfälliger gegen Korrosion.

Oberflächenbeschaffenheit und -behandlung

Die natürliche Oxidschicht von Aluminium bietet bereits einen gewissen Basisschutz. Wird die Oberfläche jedoch mechanisch bearbeitet oder chemisch angegriffen, kann dies die Schutzfunktion beeinträchtigen. Verfahren wie Eloxieren, Pulverbeschichten oder lackieren können die Beständigkeit deutlich verbessern. Vor allem eloxierte Aluplatten gelten als besonders widerstandsfähig gegen viele Chemikalien.

Umgebungseinflüsse: Temperatur, pH-Wert, Konzentration

Die chemische Beständigkeit ist immer kontextabhängig. Eine Aluplatte, die bei Raumtemperatur beständig gegen eine schwache Säure ist, kann bei erhöhter Temperatur oder Konzentration korrodieren. Auch der pH-Wert der Lösung beeinflusst die Reaktionsbereitschaft: Aluminium ist in stark sauren (< pH 4) und stark alkalischen (> pH 9) Milieus besonders empfindlich.

Typische Chemikalien und ihre Wirkung auf Aluminium

Säuren

Verdünnte organische Säuren wie Zitronensäure oder Essigsäure greifen Aluminium in der Regel kaum an. Starke Mineralsäuren wie Salzsäure, Schwefelsäure oder Salpetersäure können hingegen schnell zur Lochfraßkorrosion führen. Die Kombination aus Säure und Chloridionen gilt als besonders kritisch.

Laugen

In alkalischen Medien ist Aluminium besonders empfindlich. Natronlauge führt je nach Konzentration und Temperatur zu einem schnellen Abtrag der Oxidschicht. Ausnahmen bilden spezielle Legierungen oder eloxierte Oberflächen, die unter bestimmten Bedingungen stabil bleiben.

Lösungsmittel

Viele organische Lösungsmittel wie Ethanol, Aceton oder Isopropanol zeigen keine nennenswerte Reaktion mit Aluminium. Dennoch ist Vorsicht geboten, wenn Additive, Wasseranteile oder Verunreinigungen enthalten sind. In industriellen Prozessen sollte die Verträglichkeit stets getestet werden.

Chemische Beständigkeit eloxierter und beschichteter Aluplatten

Eloxierte Aluplatten bieten durch ihre harte Oxidschicht einen guten Schutz gegen viele Chemikalien. Besonders im pH-Bereich von 5 bis 8 sind sie sehr stabil. Je nach Dicke der Eloxalschicht (z. B. 10–25 µm) ist ein dauerhafter Einsatz in feuchten oder leicht aggressiven Medien möglich.

Pulverbeschichtete Aluplatten punkten durch eine geschlossene Kunststoffschicht, die allerdings bei mechanischer Beschädigung ihren Schutz verliert. Lackierte Varianten können ebenfalls chemikalienresistent sein, sofern ein geeigneter Lack gewählt wurde.

Anwendungsbereiche mit chemischer Belastung

Labor- und Medizintechnik

In Labormöbeln, Abdeckungen oder Gerätekammern kommen eloxierte Aluplatten zum Einsatz, da sie leicht zu reinigen und chemikalienresistent sind.

Lebensmittelverarbeitung

Hier müssen sowohl Hygiene als auch Beständigkeit gegen Reinigungsmittel gewährleistet sein. Eloxierte oder beschichtete Platten sind klar im Vorteil. Aluminium darf jedoch nicht direkt mit sauren oder salzhaltigen Lebensmitteln in Kontakt kommen.

Chemische Industrie

In Gehäusen, Abdeckungen oder Trennwänden kann Aluminium eingesetzt werden, wenn die Exposition bekannt ist und geeignete Schutzmaßnahmen wie Beschichtungen oder Belüftung greifen.

Fassaden und Außenanwendungen

In städtischer oder industrieller Atmosphäre sind Aluplatten chemischen Einflüssen ausgesetzt. Schwefeldioxid, Stickoxide oder Salznebel können langfristig korrosiv wirken. Hier bieten pulverbeschichtete Aluplatten einen wirksamen Schutz.

Orientierungshilfe: Tabelle zur chemischen Beständigkeit (auszugsweise)

MediumReaktion bei Alu rohEloxiertPulverbeschichtet
Zitronensäure (5%)stabilstabilstabil
Salzsäure (10%)starker Angriffkritischbedingt stabil
Natronlauge (5%)starker Angriffkritischbedingt stabil
Ethanol (100%)stabilstabilstabil
Seifenreiniger (neutral)meist stabilstabilstabil
Meerwasserkorrosivstabilstabil

Hinweis: Die Angaben gelten für Kurzzeitkontakt bei Raumtemperatur. Prüfung im Einzelfall empfohlen.

Hinweise für Verarbeitung und Zuschnitt

Beim Zuschnitt von Aluplatten für chemisch belastete Anwendungen ist auf gratfreie, saubere Kanten zu achten. Nach der Bearbeitung sollten schützende Schichten (z. B. Eloxal) möglichst nicht entfernt oder verletzt werden. Falls erforderlich, ist eine Nachbehandlung der Schnittkante sinnvoll.

Für maßgenaue Zuschnitte empfiehlt sich der Einsatz von CNC-Technik und die Auswahl geeigneter Oberflächen bereits vor der Fertigung. Auch Alurundstäbe können chemikalienbeständig ausgeführt werden, z. B. eloxiert für den Einsatz in Reinigungsanlagen oder Apparategehäusen.

Einsatzfähigkeit von Aluplatten gezielt bewerten

Die chemische Beständigkeit von Aluminium ist kein statisches Materialmerkmal, sondern abhängig von Werkstoff, Oberfläche und Einsatzumgebung. Rohes Aluminium kann in vielen chemischen Medien schnell angegriffen werden, während eloxierte oder beschichtete Varianten deutlich resistenter sind.

Wer Aluplatten in kritischen Bereichen einsetzen möchte, sollte daher nicht nur die Werkstoffnummer, sondern auch die Oberflächentechnik und typische Belastungsszenarien im Blick behalten. Mit dem richtigen Zuschnitt und geeigneter Schutzbehandlung lassen sich langlebige und beständige Lösungen realisieren.

FAQ: Häufige Fragen zur chemischen Beständigkeit von Aluplatten

Sind Aluplatten beständig gegen Säuren?
Nur eingeschränkt. Eloxierte Oberflächen halten schwachen Säuren oft stand, bei starker oder langanhaltender Einwirkung droht jedoch Korrosion.

Wie verhalten sich eloxierte Aluplatten in der chemischen Industrie?
Sie sind deutlich beständiger als unbehandelte Platten, sollten aber nicht mit starken Laugen oder Säuren in Kontakt kommen.

Welche Oberflächenbehandlung verbessert die chemische Beständigkeit am meisten?
Das Eloxieren bietet den besten Schutz bei Aluminium, insbesondere in neutralen bis leicht sauren Umgebungen.

Kann man Aluplatten mit Lösungsmitteln reinigen?
Ja, viele organische Lösungsmittel sind unkritisch. Dennoch sollte die Reaktion mit dem spezifischen Plattentyp im Vorfeld getestet werden.

Welche Aluminiumlegierung ist besonders chemikalienresistent?
EN AW 5754 gilt als vergleichsweise beständig. Für sehr aggressive Medien sind jedoch andere Werkstoffe zu prüfen.